Die Gründerin des MGW

 

Geboren am 25. Januar 1881,MGW - Elly Heuss-Knapp
mit 18 Jahren Lehrerinnenexamen,
mit 24 Jahren Studium der Volkswirtschaft in Freiburg und Berlin.
Mit 27 Jahren, 1908, heiratet sie Theodor Heuss.
Mit 29 Jahren veröffentlicht sie ihr erstes Buch, eine Zusammenfassung ihrer Vorträge aus den vergangenen Jahren: „Bürgerkunde und Volkswirt-schaftslehre für Frauen“. Im gleichen Jahr kommt ihr Sohn Ernst Ludwig zur Welt.

Elly Heuss-Knapp bleibt berufstätig, unterrichtet stundenweise, schreibt für Zeitungen und Zeitschriften, hält Vorträge.
Im November 1918 entwirft und textet sie Plakate, die Frauen zur Wahlbeteiligung aufrufen und kandidiert selbst für den Reichstag. Zwischen 1933 und 1945 ernährt sie die Familie alleine durch Werbetexte und Werbefilme.

1946 wird sie Landtagsabgeordnete in Baden-Württemberg, sie legt ihr Mandat nieder, als ihr Mann 1949 zum ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt wird. Im gleichen Jahr lernt sie Dr. Antonie Nopitsch, Geschäftsführerin des Bayerischen Mütterdienstes (heute: FrauenWerk Stein e.V.) kennen und erfährt von ihr von der Not der Arbeit für Mütter. Es vergingen nur wenige Monate und Elly Heuss-Knapp gründet - bereits durch eine schwere Herzkrankheit gezeichnet - gemeinsam mit Frau Dr. Nopitsch im Januar 1950 das Deutsche Müttergenesungswerk in Stein bei Nürnberg. Bis zu ihrem Tod am 19. Juli 1952 gilt ihr ganzes Engagement der Arbeit für das Müttergenesungswerk.

EINE EMANZIPIERTE FRAU
Bereits in ihrer Brautzeit mit Theodor Heuss ist sie entschlossen, keine „klassische Hausfrau“ zu werden. Als junge Frau engagiert sie sich in Vorträgen und Artikeln für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Frauen.
Im Nationalsozialismus erhält ihr Mann Berufsverbot. In diesen Jahren ist es Elly Heuss-Knapp, die das Familieneinkommen sichert, auf höchst einfallsreiche und erfolgreiche Weise: Sie geht in die Werbung. Ihre Auftraggeber sind Unternehmensklassiker wie Persil, Nivea, Bosch, Bleyle, AEG…

Spaß am Texten
Ihr Spaß am Texten kommt später dem Muttergenesungswerk zugute. Nur keinen „erhobenen Zeigefinger“, so warnte sie schon Firmenmanager, genau das rät sie auch den Wohlfahrtsverbänden. Ein bisschen Spaß müsse Werbung schon machen und glaubwürdig müsse sie dabei auch noch sein.
Sofort nach Ende des Zweiten Weltkriegs nimmt sie gemeinsam mit ihrem Mann die politische Arbeit wieder auf. Mit der Wahl ihres Mannes zum Bundespräsidenten 1949 nutzt sie den gewonnen Einfluss und so finden sich am Tisch der First Lady Vertreterinnen der evangelischen und katholischen Frauenverbände, der Frauengruppen des Deutschen Roten Kreuzes, der Arbeiterwohlfahrt und des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes ein. Sie beschließen die Gründung eines gemeinsamen „Daches“ für Müttergenesung. Die Elly Heuss-Knapp-Stiftung, Deutsches Müttergenesungswerk, war geboren. In der Rundfunkrede zur Gründung der Stiftung am 31. Januar 1950 formuliert sie: „Wissen wir noch, was das ist, eine Familie? Wissen wir noch, was das ist, der Frieden eines Hauses? – Es war gestern so und könnte morgen wieder so sein. Es liegt an den Müttern, die die Seele der Familie sind. Aber wer fragt danach, wie die Mütter es noch schaffen? Das Müttergenesungswerk fragt nach ihnen.“

„Ihr“ Müttergenesungswerk
MGW - Elly Heuss-Knapp mit Theodor HeussElly Heuss-Knapp ist schwer krank, als ihr Mann 1949 das Amt des Bundespräsidenten übernimmt. Sie weiß, es bleibt ihr nicht mehr viel Zeit, sich zu engagieren. Alle Energie steckt sie in „ihr“ Müttergenesungswerk. Mit 20.000 Mark Stiftungskapital war der Anfang des Müttergenesungswerkes gemacht. Für die erste Werbekampagne hatte eine Bank 60.000 Mark geliehen. Als Sicherheit setzte sie ihren Namen ein. Eines war ihr dabei wichtig, eine "gesamtdeutsche Sache“ sollte dieses Müttergenesungswerk sein, und sie forderte stets alle auf, sich daran zu beteiligen.
Ihr Leben war immer geprägt von tatkräftigem sozialem und sozialpolitischem Engagement. Das Müttergenesungswerk bezeichnete sie deshalb als „Krönung ihres Lebens“.